Aus aktuellem Anlass: die Griechenland Anforderungen im Wortlaut.

Ich selber bin ja kein Volkswirt, sondern kann nur aus einem gewissen Fundus an unternehmerischen  und rationalen Gedankengut schöpfen. Was ich aber weiß ist: vertraue keinen Medien 🙂

Deswegen, und aus Transparenzgründen, macht es manchmal Sinn,  sich die Quellen selber anzuschauen – hier sind die konsolidierten Anforderungen an die Griechenland Reformen im Wortlaut (englisch, unten den Link klicken)

Wenn ich mir das jetzt so durchlese finde ich da ehrlich gesagt keine Punkte an den ein Land erpresst oder irgendwelche übermäßigen Forderungen „von außen“ an die Bevölkerung gestellt werden.

Im Gegenteil: es ist eher davon die Rede, endlich Generika zu einem vernünftigen Preis den Leuten zur Verfügung zu stellen, Yachten über 10m vernünftig zu besteuern, oder über eine Zoll-Kontrolle Schwarzarbeit zu verfolgen um die Sozialkassen zu schonen.

Auch die (Teil-)Privatisierung von Häfen oder Flughäfen, das Verkaufen von 4g oder 5g Lizenzen finde ich jetzt nicht besonders dramatisch.

Streiten können wir uns über ein Renteneintrittsalter von 67, oder ob die Rentenkürzungen von 0,25, 0,5 bzw.  1% in Höhe des Bruttosozialproduktes nötig sein müssen, oder wie viel das wirklich bringt.

Was mir tatsächlich fehlt, sind Anforderungen und Pläne für die Banken – da finde ich hier nix. Die sichern nämlich ihre täglichen Geldspritzen mit Maßnahmen der EZB an – moment: sind da Kreditor und Besicherer ein und die selbe Institution? That won’t work, Manuel…. Darüber hinaus müssen Anleger, die extra in hellenische Anleihen investiert haben (Hedge Fonds, we see you), um unrealistische Renditen zu erzielen, diese Abschreiben: sorry, nur weil Ihr meint riesige Profite einfahren zu müssen, auf Kosten der Steuerzahler.

Alles in allem: es sollte kühler Kopf bewahrt werden. Ich sehe hier eher vernünftige als erpresserische Punkte und wundere mich zumeist, dass Griechenland diese Strukturreformen nicht aus eigenen Interesse angehen möchte?! Aber wahrscheinlich ist das der Punkt: wer ist schon „Griechenland“ – das Land scheint ja zerrissen aus Befürwortern und Gegner, schamlosen Profiteuren und Ausnutzern der letzten Jahrzehnte und auf der anderen Seite Menschen, die sich jetzt eine vernünftige Zukunft aufbauen wollen. Diesen sollte Europa helfen, ihre Pläne umzusetzen. Und gleichzeitig gegen renditehungrige Anleger abschirmen.

Update 1: wo man stochert… hier eine fancy timeline des 1. Griechenland „Bailouts“: http://www.theguardian.com/business/2010/may/05/greece-debt-crisis-timeline

Die HedgeFonds haben mit Hilfe der Rating Agenturen haben längst Kasse gemacht und sich verpieselt. Gezahlt haben’s…. die Steuerzahler. Aber: was hätte man auch anders machen sollen. Die richtigen Strukturen waren einfach nicht da. Aber was muss das auch für eine dämliche Situation für eine Angela Merkel sein, nach außen hin nie von Euro-Bonds sprechen zu dürfen, wenn es sie faktisch h ja schon gibt. Wenn Politik sich selber auf den Füßen steht… :-/

(Das schöne Beitragsbild ist von Sascha Kohlmann )